Was besagt die Theorie von den wandelbaren Lebensverhältnissen?

Die Unterhaltshöhe entspricht (oder besser: entsprach) im Grunde derjenigen des Trennungsunterhalts, bezogen allerdings auf den Stichtag der Scheidung. Ab dem Ende der Ehe, so die ursprüngliche Überlegung, gehen die Partner getrennte Wege und verbleiben bei dem Standard, den sie bis dahin erreicht haben. Der einmal festgelegte Bedarf und der daraus entstehende Unterhaltsanspruch sollte sich also nicht mehr ändern.

Davon wurden immer mehr Ausnahmen gemacht, schließlich setzte sich die Vorstellung durch, dass es auch nach der Ehe noch „wandelbare Lebensverhältnisse“ gäbe. Mit anderen Worten: Der Unterhalt blieb ständigen Schwankungen unterworfen, auch Jahrzehnte nach der Ehe waren die Partner einander noch zum Ausgleich von finanziellem Glück oder Unglück verpflichtet.

Das wurde schließlich durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG, Beschluss vom 25.01.2011, 1 BvR 918/10) gekippt. Demnach handle es sich dabei um eine Überschreitung richterlicher Kompetenzen. Entscheidendes Kriterium ist also nun wieder, ob eine bestimmte Veränderung in der Ehe angelegt war. Dazu gehören insbesondere regelmäßige Gehaltserhöhungen sowie Gehaltserhöhungen aufgrund von Qualifizierungsmaßnahmen, die bereits während der Ehe liefen.