Kann man das Trennungsjahr verkürzen, indem man einfach dessen Anfang vorverlegt?

Ein beliebter Trick von scheidungswilligen Ehepartner ist, den Beginn der Trennung früher zu behaupten als er tatsächlich war. Dann ist das Trennungsjahr beim Scheidungsprozess scheinbar abgelaufen, obwohl das eigentlich noch gar nicht der Fall ist. Wenn Anwälte und Gericht keine Anhaltspunkte für das Gegenteil haben, funktioniert dieser Trick sicher sehr häufig.

Aus anwaltlicher Sicht kann man davor aber nur warnen. Es ist absolut kontraproduktiv, wenn dies auffliegt. Der Anwalt darf aus berufsrechtlichen Gründen bei einem solchen Vorhaben nicht mitwirken. Und schließlich ist, wenn sich einer der Eheleute davon finanzielle Vorteile erhofft, auch noch eine Strafbarkeit wegen Betrugs denkbar.

Also warten Sie das Jahr lieber ab, auch wenn Sie es besonders eilig haben.

Wie kann man innerhalb derselben Wohnung getrennt leben?

Ein Getrenntleben bedeutet stets die „Trennung von Tisch und Bett“. Normalerweise geschieht dies, in dem (mindestens) ein Ehegatte auszieht und dadurch die eheliche Lebensgemeinschaft als solche nicht mehr besteht.

Man kann aber auch innerhalb der Wohnung getrennt sein, wenn kein gemeinsamer Haushalt mehr besteht. Dazu gehört, dass grundsätzlich jeder seinen eigenen Angelegenheiten nachgeht, nicht mehr zusammen gekocht und gegessen wird, jeder ein separates Bett hat, jeder nur noch für selbst einkauft etc.

Wenn ein Ehegatte die Scheidung verhindern will, wird es dann aber oft schwer, ihm gegenüber die Trennung zu beweisen.

Kann auf Trennungsunterhalt verzichtet werden?

Nein, Trennungsunterhalt ist immer zu leisten, im Vorhinein kann darauf nicht verzichtet werden.

Allerdings kann der Trennungsunterhalt einfach nicht gefordert werden. In diesem Fall verfällt der Unterhaltsanspruch für jeden zurückliegenden Monat.

Nicht möglich ist dagegen ein Vertrag, in dem man zusichert, den Trennungsunterhalt nicht zu verlangen – denn das wäre ja wieder ein Verzicht durch die Hintertür, der grundsätzlich nicht möglich ist.

Kann auch rückwirkender Unterhalt gefordert werden?

Das kommt darauf an.

Prinzipiell stellt Unterhalt eine Zahlung dar, mit der man sein Leben bestreiten kann. Insofern gibt es also eigentlich keinen Grund für rückwirkenden Unterhalt, da man ja auch nicht rückwirkend lebt.

Etwas anderes gilt aber, wenn man den Unterhaltspflichtigen durch eine Mahnung in Verzug gesetzt hat.

Es muss also schnellstmöglich der Verzug herbeigeführt werden, um keine Ansprüche zu verlieren.

Kann ein Ehevertrag so geschlossen werden, dass er sicher gültig ist?

Nein, in aller Regel nicht.

Das Familienrecht ist ständigen Wandlungen unterworfen, sowohl was den Gesetzestext als auch das Richterrecht angeht. Man wird nie wissen, welche Regelung zum Zeitpunkt einer Scheidung (und darauf kommt es ja an) gültig ist.

Man kann allerdings versuchen, möglichst faire Regelungen zu treffen, indem man jeweils die Punkte, die einem Ehegatten besonders wichtig sind, niederschreibt und gleichzeitig die Rechte des anderen Ehegatten irgendwie kompensiert.

Ein darauf spezialisierter Rechtsanwalt wird Sie gerne in dieser Sache beraten und eine möglichst individuelle und voraussichtlich zulässige Regelung ausarbeiten.

Wer darf in der Ehewohnung bleiben?

Grundsätzlich gibt es keine definitive Regelung, wer in der ehelichen Wohnung bleiben darf und wer ausziehen muss. Kommt es zu keiner Einigung, müssen ggf. beide Ehegatten die Mietwohnung gemeinsam kündigen.

Vorübergehend kann aber das Familiengericht die Ehewohnung einem der beiden Partner zuweisen, um dessen Verbleib zu sichern.

Wie wird der Hausrat bei einer Scheidung aufgeteilt?

Grundsätzlich wird der Hausrat hälftig zwischen den Ehegatten geteilt. Dies sollte man vernünftigerweise nicht dem Gericht überlassen, sondern selbst eine individuelle Regelung treffen.

Oft ist ein bestimmter Gegenstand bei einem der Ehegatten sinnvoller aufgehoben – wer in eine Wohnung mit Küche zieht, muss den Geschirrspüler der alten Wohnung ja nicht unbedingt mitnehmen.

Eventuelle Wertdifferenzen kann man dann durch eine Geldzahlung ausgleichen.

Wann kann das notwendige Trennungsjahr vor einer Scheidung unterschritten werden?

Grundsätzlich müssen die Ehegatten mindestens ein Jahr getrennt sein, bevor eine Scheidung möglich ist. Davor ist eine Scheidung nur zulässig, wenn eine unzumutbare Härte vorliegt.

Die Härte muss aber im Verheiratetsein an sich liegen, wenn es also eine von beiden nicht mehr zumutbar ist, überhaupt noch auf dem Papier verheiratet sein. Denn das Zusammenleben kann ja durch eine räumliche Trennung ohne sofortige Scheidung beendet werden.

Insgesamt sind die Familiengerichte sehr zurückhaltend, was die Annahme einer Unzumutbarkeit angeht.